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Sonntag, 24. Juni 2018

Mal was von untertage. Damals.


Heute ist ein trüber Tag.
Sitze im Stuhl und döse vor mich hin.
Denke an früher.
Natürlich auch an meine Zeit als Bergmann.

Untertage, ach ja, auch das gehört zu meiner Vergangenheit.
Denke oft noch daran zurück.
Mal froh mal etwas weniger. 
Vor allem aber an die Menschen. Wenigstens an manche.
Hier habe ich nun noch einmal etwas altes raus gesucht und überarbeitet.

Es gab z.B. untertage Menschen, die nichts anderes taten, 
um in allen Querschlägen die "Staubbühnen" in Ordnung 
zu halten.
Da waren in regelmässigen Abständen, in einer Höhe von 
ca. 2,50 m, mit Brettern Platformen gebaut.
VonWand zu Wand.
Ca. 1-2 m breit.
Auf diesen lag dann fein gemahlenes Gesteinsstaubmehl.

Die Theroie ging davon aus, das, wenn mal etwas explodierte, die Druckwelle diesen Staub runterriss, verwirbelte und damit "vielleicht" die Explosionstemperatur herabsetzte.
Sollte!
Na, ja. 
Es mag im Versuchsstollen funktioniert haben, ich weiss es nicht, habe auch nie etwas von einer Praktischen Erfahrung gehört.
Immer hin glaubte jeder, und auch ich, fest daran.
Und diese leichte "Bühnen" wurden nun regelmässig gewartet, und immer wieder mit trockenem Staub angehäuft.
Dafür gab es extra Leute.

Untertage ist es nun mal duster.
Wenigstens zu meiner Zeit.
Die Richtstrecken hatten schon elektrisches Licht, aber danach war es Sense.
Auch in den Querschlägen gab es kein Licht.

Wenn also jemand kam, sah man das aus sehr weiter Entfernung, da das Licht des betreffenden sehr weit zu sehen war.
Vor Ort, in der Vorrichtung, ist man meist allein mit seinen 4 oder 5 Kameraden.
Der nächste Mensch kann, vor allem nachts, schon mal 
3-4 Kilometer weiter weg sein.
Ein Funkverbindung oder andere Kommunikation gab es nicht.

Die für uns zuständige Aufsichtsperson besucht nun während ihrer Schicht die einzelnen Arbeitspunkte einmal, sieht zu das und auch was gearbeitet wird, quatscht was, und geht wieder.
Was will er auch da in den 10 Minuten bei uns machen?
Ob wir was tun, ist unsere Sache.
Denn bezahlt wird nur das was am Ende des Monats geleistet war.
Meist wurde gebuttert ( ein Butterbrot gegessen) während seiner Anwesenheit.


Machen wir nichts, gibt es ja auch kein Geld. 
Die nachfolgende Schicht nimmt das mit Sicherheit auch nicht einfach so hin.
Denn vor Ort wird an einem Strang gezogen.
Auch wie wir was machen, ist unsere Sache. 
Es muss nur der offiziellen Lesart entsprechen. 
Ein guter Steiger hielt sich daraus.
Die Situation ändert sich laufend.
Ich denke da z.B. an die Munitionsart die verbraucht wird oder ob Zeit- oder Momentzünder benutzt werden wenn Kohle ansteht.

Der Ortsälteste ist eben der Boss und muss auch für alles was er anordnet, gerade stehen. 
Ergo: Der Steiger kommt, um seine Pflicht zu erfüllen, es wird gebuttert, er geht, und wir sind wieder allein.

Interssant war dabei aber auch, WER kam.
Wenn die "Mollroll" (Steiger Laupitz) kam, wurde das buttern meist seeeehr lang.
Man erkannte ihn schon von ganz weitem an seinem Gang.
Dieser betagte Steiger machte seine letzten Jahre untertage.
Ich glaube er kam aus Warden.
Er hatte noch mehr Bauch als ich heute habe.
Wenn er nun ging, rutschte sein Blitzer immer von links nach rechts über die Halbkugel die er vor sich herschob.
Der Lichtstrahl ging also immer von Stoss zu Stoss.
Daran konnte man ihn erkennen.
Warum Mollroll ?
Beim Ausbau in der Strecke, lag oben im First immer eine dicke Holzrolle von ca. 2,20m länge und 0,40 bis 0,50 cm Durchmesser.
Eben eine "Mollrolle".

Damals, ich war noch Hauer auf einem Drittel. 
460m/S  Senkschacht (13?) war mein Ortsältester ein
 (Dammers, Jupp?) auch aus Warden.
Er war Tambour eines Spielmannzuges dort.
Begeistert, besser schon fanatisch.
Kam nun die Mollroll am Montag, und am Sonntag war irgendwo (immer !) ein Festzug gewesen, ging es dann so ab.

"Glück Auf"
"Da war ich doch gestern in ???????? . Warst du da auch?"
"Na klar"
"Preis gemacht?"
"Klar, den 3. !"
"Watt, den 3. nur, Jupp dat musste mir aber mal zeigen warum de dat versaut hast."
"ja , also. Dat wollt ihr wirklich wissen??? 
Ich zeich et üch mal"

Dann nahm Jupp einen Steinknüppel in die Hand, als Tambourstabersatz. Nahm im Dunkeln des Querschlages Haltung an, riss den Steinknüppel hoch, intoinierte einen Marsch, marschierte dann im Stechschritt los und dirigierte mit seinem Steinknüppel seine imaginäre Trommler- und Pfeifenschar.
So marschierte er, singend und kommandierend im dunkeln die Strecke auf und ab. Wir leuchteten seinen Weg aus.
Dazwischen wurden uns andächtig zuschauenden die Feinheiten erklärt und auch warum es denn nun nur 
der 3. Platz geworden war.
Ein paar provikatorisch eingestreute Bemerkungen liessen ihn regelmässig vergessen wo er war.
Wir hatten eine angenehme längere Pause.
Die Mollroll auch.

In der nächsten Stunde wurde uns dann immer wieder erklärt warum die Schiedsrichter andere und nicht ihn, zum Sieger erklärt hatten.

Dieses spielte sich über sehr lange Zeit so ab.
Aber immer nur wenn die Mollroll kam.

Irgendwann wurde ich dann mal versetzt.