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Samstag, 15. Juli 2017

Früher, ach früher .....


Ich sitze hier in einer Gruppe.
Die Sonne scheint, es wird getrunken alles in voller Harmonie.
Da wird schwadroniert, gefachsimpelt und diskutiert.
Über vieles, aber im besonderen über das was es da so immer an technischen Neuheiten und Errungenschaften gibt.
Ich selbst höre nur zu und komme dabei ins grübeln.
Wenn ich da nun so zu höre, kommt mir meine eigene Jugend in den Kopf.
Ohne Elektronik und Komputer.
Ohne digital oder was für ein ....tal.
Einfach nur von Menschen mit Erfindergeist.
Leider spricht man heute nicht von meiner Zeit mit Hochachtung.
Ärgert mich immer etwas.
Und wenn, dann nur von den „verfluchten" Nazis. 
ICH sehe das GANZ anders.

Da war ich als kleiner Junge im Berliner Wedding.
Um mich rum das moderne Leben.
Oft war ich auf der Brücke an der Fennstraße um den "Schienenzepp" zu sehen.
Der fuhr von Berlin nach Hamburg.
Seine Spitzengeschwindigkeit betrug damals 
230 km/h , d.h. in 98 Minuten, war die Strecke bewältigt.
Sein Antrieb war ein Propeller !!!!
Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, das war 1931 !!!!!!!!!
Man konnte seit 1926 auch aus einem fahrenden Zug heraus telefonieren.
Das kann man heute noch nicht mal überall.

Oder auch den Rekord einer Dampflokomotive von über 200 km/h ?
Das war 1936.
Der „Fliegende Hamburger“ fuhr ab 1933.
Das war ein Dieselschnelltriebwagen, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 123 km/h.
Er war weltweit die  schnellste planmäßige Zugverbindung.
Bis 1997 !!! wurde der Streckenrekord nicht mehr erreicht.
Trotz Krieg und bösen Nazis.

Was hat sich denn eigentlich in diesen so modernen, hochentwickelten letzten Jahren sooooo verbessert?

Da gab es mal ein Fahrzeug.
4 Räder und was Blech.
Natürlich auch noch was Motor.
ALLE waren begeistert.
Schon vor dem  Krieg entwickelt  aber besonders nachher, war es  der Knaller.
Der KÄFER.

Meinen ersten kaufte ich so um 1950.
Kosten: 4.999,00 Mark
20 PS, es war das erste Modell mit Heizung.
Davor gab es keine Heizung.
Heizung? Das waren zwei Blechdosen unter dem Hintersitz, durch die strömten die Motorabgase.
Bremsen? Seilzugbremsen. d.h. zwei Stellschrauben an jedem Seilzug, damit stellte man sich selbst die Bremsen ein.
Obligatorisch die Blinker.
Und so ging es weiter.
Nicht zu vergessen: Ein kleines schmales Blumenväschen am Armaturenbrett. Musste !!! sein.
Ganz verwegene pinselten sich die Flanken der Reifen mit weißer Farbe an.
Weißwandreifen waren "IN".
Ölwechsel alle 2-3000 km
Achsschenkel und Bundbolzen alle 5000 km erneuern
Und der Auspuff hielt genau 6 Monate.
Ich könnte Romane über meine 5 Käfer schreiben.

Danach hatte ich noch 21 andere Autos
Immer etwas größer und teurer.
Alles waren jedesmal besser, komfortabler und teurer.
Zwei 7er BMW waren das höchste (und beste!) in meinem Leben.

Nur, Spaß hatte ich am meisten mit dem Käfer.
Da war eben Auto fahren noch ein Abenteuer.

Ach ja, meine Erinnerungen überschlagen sich.
Der Zeppelin am Himmel.
Der Schupo auf der Straße.
Die 6 Spänner Kaltblüter von Schultheiß Patzenhofer wenn sie Bier lieferten .
Die Pferdebouletten.
Das Kino für 25 Pfennig, aber vorher ein Eis für 5 Pfennig.
Gerhard.... es ist vorbei.
Es ist nie wiederkehrende Vergangenheit.
Werde wach!!!

Ich denke, soooo viel hat sich nicht verändert.
Wir waren nicht verwöhnt.
Ich habe beim spielen im öffentlichen Sandkasten im Lausepark immer Hunde neben mir gehabt.
Die pissten auch mal in den Sand den ich dann später, beim Burgen bauen, benutzte.
Oder, da hatte ich mal was von Kaugummi gehört.
Gab es nicht.
Aber Teer mit denen die Straßen belegt wurden.
Den konnte man auch gut kauen.
und, und, und.
Dafür war ich bis heute auch so gut wie nie krank!

Das Leben heute ist zwar schön.
Aber auch meine Jugend.
Auch mit den Umständen des Naziregimes.
Die Menschen damals waren menschlicher.
Heute sind es Apparate.

Im diesem Moment kreisen eine Unmenge von alten Gedanken durch meinen Kopf.
Ich versuche gar nicht erst abzuwägen oder zu vergleichen.
Jede Zeit hat ihre schönen und guten Seiten.
Vielleicht sollte man aber auch nicht in der Vergangenheit kramen?
Dann bitte aber auch, mit all seiner Unkenntnis, nicht vergleichen.

Beurteilen vielleicht, aber bitte nicht verurteilen. 

Ich neide euch den Glauben an das was IHR so alles erreicht habt nicht. 
Vielleicht sehe ich auch das anders