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Sonntag, 9. Juli 2017

Schule? Früher?


Da gibt es eine Gruppe hier auf Fratzelsbuch die sich mit der Stadt Alsdorf beschäftigt.
Ich bin dort auch angemeldet.
Sie beschäftigt sich vor allem mit der letzten Vergangenheit dieser Stadt.
Nun kam das Thema Schule dort auf die Tapete.
Die Frage: Wie war es früher, vor allem in Bezug auf die Bestrafung.
In diesem Zusammenhang bat man mich, da ich scheinbar der älteste bin, auch mal in meinem Kopf das Thema Schulzeit hervor zu kramen.

Also.
Schule !!!???
DAS liegt bei mir nun rd. 80 Jahre zurück.
Berlin ist der Tatort.
Volksschule im Wedding. Scharnhorststrasse.
Es war ein grosses Gebäude. 
Streng nach Geschlechtern getrennt.
Nur im Hof waren zwei Durchgänge.
Diese durften bei Androhung von Strafe NIE durchquert werden.
Bleiben wir gleich hier. 
Die Trennung der beiden Plätze war das Toilettengebäude.
So rund 30 Sitzplätze. 
Die einzelnen Sitzplätze von vorn offen.
Heute sagt man Donnerbalken dazu.
In jedem der beiden abgetrennten Areale ca. 1000 Schüler.
Die Klassengrösse war 50 plus.
Bänke mit angeschraubten Schreibplatten.
Die Lehrer jede Altersstufe, ansonsten gleich in der Auffassung wie man Kindern etwas lehrt.
Der Rektor war für  mich Gott ähnlich. 
Den habe ich zwei mal gesehen und erlebt.
Beide male schmerzte es mich. Der Grund dafür ist mir zwar nicht mehr geläufig, aber ich empfand es damals als gerecht.
Unterricht  war täglich von 8,00 bis 14,00 Uhr.
Auch Samstags.
Begonnen wurde er nie mit einem Gebet oder Ode an den Lehrer, sondern mit dem allgemein gebräuchlichen Tagesgruss: "Heil Hitler"

Ich lernte erst Sütterlin, dann die Deutsche Schreibschrift, Lateinische Buchstaben und zuletzt die Normschrift.

Schulaufgaben waren anders als heute.
Sie erstreckten sich meist über mehrere Tage.
Z. B. ein Aufsatzthema. Abgabe in einer Woche. Gliederung in 3-4 Teile. Grösse nicht unter 10 Seiten Text. 
Auch Bilder und Quellen waren erwünscht.
Samstags gab es generell keine Hausaufgaben.

Strafen?
Das änderte sich zwar im Laufe meines Gastspiels in dieser Lehranstalt.  
Aber diese Institution  war bis zum Schluss nicht der wahre Jakob oder mein Highlife.
Anfangs gab es noch was mit dem Rohrstock (die Peitsche des Sklaventreibers) das liess aber im Laufe der Jahre nach. Schon die Nationalsozialisten erkannten, das man Wissen nicht einpeitschen konnte.
Eine Backpfeife war normal und gehörte zum Unterricht.
Daneben spielte aber auch das ca. 50 cm lange Holzlineal eine entscheidende Rolle,

Wohin geschlagen wurde?
Na, auf die Innenseite der Hände.
Aufgaben vergessen?
Super, 4 Schläge auf die Hände.
Die platzten auf, nun konnte man erst recht nicht schreiben, dafür dann am nächsten Tage auf den Arsch. Auch die in der Hose vorsorglich eingearbeitete Tageszeitung nutzte nicht viel.
Ein Rohrstock kommt auch damit zurecht.

Nun waren es beileibe keine Prügelorgien oder fanden täglich statt.
Damals und auch heute, empfanden wir es eigentlich immer als verdient.

Dazu kamen noch: "stehen in der Ecke"
Die ganze Stunde.
Das das Pipi machen müssen nicht als Grund des Abbrechens galt, war es manchmal kein gutes Gefühl mit beeister House nach Hause gehen zu müssen.
Apropos nach Hause.
Das bedeutet immer durch Berlin mindestens ca. 6 km 
(hin und zurück)

Mein Klassenlehrer war PG. (Parteigenosse) und sehr fortschrittlich. (Herr Klett) 
Er wohnte am Müggelsee.
Für jede gute Leistung gab er kleine bunte Holzstückchen aus.
Die drei, die am Samstag  die meisten hatten, nahm er von der Schule aus mit in sein Haus. Am Montag morgen brachte er sie wieder zurück.
Dort war ein  Paradis mit See und Segelboot.
Das ich persönlich nie in diesen Genuss kam, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.
Kenne es also nur aus den Erzählungen meiner Mitschüler.

Mitschüler?
Nun da ist wieder so etwas.
Das Lernpensum gegenüber heute war wesentlich höher.
Auch wenn man heute stöhnt, aber immerhin schloss das Pensum eines Volksschülers mit 14 Jahren damit ab, das er den Anfang von Algebra und das Rechnen mit einer unbekannten beherrschte.
Alles andere war damals und heute gleich.
Denn das Wissen in Geschichte und Erdkunde hat sich nicht vergrössert.
Da mein Vater Dachdecker war, andere aber Doktore oder sonstige "gebildete"  als Eltern hatten, war die Möglichkeit fehlendes Wissen oder Nachfragen zu Hause, eben sehr verschieden.
Und im Unterricht waren dann die wirklich "wissenden" eben die "auserwählten".

Ich bin nie gern zur Schule gegangen.
Nicht der Strafen wegen.
Mich störte immer diese Ungerechtigkeit.

Ich hatte nie ältere Geschwister die ich fragen konnte.
Ich hatte nie intelligente Eltern die mir halfen.
Im Gegenteil, meine Mutter schlug mit allem was sie in den Händen hatte von oben auf mich ein wenn die Noten nicht stimmten. (Hast wieder nicht aufgepasst)
Ich habe meine ganzen Schulaufgaben in meinem Leben zwei mal machen müssen. Vom ersten Tag an!  Einmal für meine Mutter und dann für die Schule. 
Diese Hefte von 8 Jahren Schule existierten noch bis zu  ihrem Tode.
Und die Lehrer in meinen Augen?
Sie wussten selbst nichts. (Wie heute) 
Haben abends in ihren Büchern was sich angelesen und mich am nächsten Tage dann gefragt ob ich es auch wüsste.
Natürlich klappte das alles nicht.
Ich war damals, bis heute, schon eine arme Socke.
Das ich dabei aber glücklich war und bin, habe ich nur mir selbst zu verdanken.
Und DARAUF bin ich stolz.
Es juckt mich meine Schulzeit bis heute nicht.
Musste sein.
Bin aber froh , so viel und gutes gelernt zu haben.
Vor allem wurde mir nie beigebracht sich an zu passen.
Immer kritisch zu hinterfragen.

Alle diese hochgelobten Zensuren sind in meinen Augen wertlos.
Keiner weiss warum und wie sie entstanden. 
Kein Zeugnis hilft einem später im Leben.
Genügst du den Anforderungen, bringst du Leistung, 
kannst es vielleicht noch mit  den Chefs, klappt es auch.
( Ausgenommen Sesselfurzer und Beamte, da genügt nur ein standhafter Hintern und die Anzahl der Jahre)

Die Schule an sich, musste sein.
Ich habe früher mehr gelernt als heute.
Mit Strafen die weh taten.
Aber vielleicht weiss ich es darum auch besser wie weh etwas tun kann.

Immerhin war der Lehrplan damals übersichtlich, verständlich und war kein Experimentierfeld für Spinner wie heute.

Und eine Backpfeife hat noch nie jemandem geschadet.
Im Gegenteil.
Auch heute nicht. 

Heute sitze ich als alter Mann  hier rum.
Bin glücklich.
Ob auch alle anderen, hochgelobten und mit guten Zensuren verwöhnter das auch sagen können?

Siehste, mein Motto stimmt wieder einmal.
Doof, arm und glücklich .
Was willst du mehr?