Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Dienstag, 13. September 2016

Wunderheiler oder genialer Mediziner?


Jedes Land, jedes Volk aber auch jede Region hat so seine Eigenheiten.
Gute, schlechte, aber auch kuriose.
Dementsprechend auch die Typen die die jeweilige Region bevölkern.
Man muß sie hinnehmen, darüber lachen, vielleicht auch ärgern, aber auf jeden Fall den Kopf schütteln.

Hier im Bayrischen Wald könnte ich eine Unmenge an Kuriositäten aufzählen.
Dabei denke ich nicht nur an die Sucht der Umwelt zu helfen. Leider erreicht man nur das Gegenteil. 
Aber das ist eine andere unendliche Geschichte.

Ein weiteres Thema hier sind die Ärzte.
Was habe ich hier schon in einem guten Jahr erlebt.
Angefangen von einem Doktor dem es absolut nichts ausmacht sich ihnen mal eine ganze Stunde zu widmen und sich den Arsch aufreißt, bis auf den Orthopäden den ich seit über einem Jahr besuche, der mich, und ich ihn, noch NIE gesehen habe, wo ich mich ins Wartezimmer setze, eine Überweisung bekomme, und wieder gehe.
Oder den Operateur der im Krankenhaus operiert, aber sich dann auch nicht mehr blicken ließ.

Nun, vor kurzem hat mich meine Internistenfamilie bei der ich in Dauerbehandlung bin (war) nach der Herzkathederimplantation zu einem Lungenfacharzt nach Cham überwiesen.
Weiter gereicht würde ich sagen.

Der mir mitgeteilte Termin des neuen Spezialisten war noch human.
5 Wochen Vorlaufzeit.

Am besagten Tag fuhr ich nun nach Cham.
Das dort keine freien Parkplätze waren, und ich mein Auto vor der Stadt parken mußte, kann ich dem Doktor natürlich nicht anlasten.
40 Minuten Fußweg sollten ein gutes Training für meinen Körper sein.

Also, in der Praxis angekommen.
Ca. 8 Carbolmäuschen flitzten durch die Botanik.
Alle sehr nett, freundlich und auch sehr hilfsbereit.
Fing also doch schon mal gut an.

"Herr Guelde, bitte zum Doktor"
Am Schreibtisch, ein Herr in den besten Jahren, lässig im Sessel sitzend.
Meine Papiere vor sich und ein Mikrofon an seinem Mund.
Lesend und mir was zunuschelnd.
"Herr Doktor, würden sie bitte etwas lauter sprechen? Ich habe Hörgeräte und ihr Dialekt macht mir auch etwas Schwierigkeiten"
Antwort:
"Ihres mir auch"
(ich spreche reines  Hochdeutsch ohne Akzent. 
Muß für einen Bayern wohl fremdartig sein)

"Was habenSie? Probleme beim atmen?"
Murmelmurmelmurmel.
"Ich habe sie gefragt, wo sie untertage Kohle gemacht haben und von welcher Gesteinsart diese umgeben war?"
???????????????????
"Na, dann lassen wir das eben.
Bitte nehmen sie draußen Platz sie werden von meinen Damen abgeholt."

Die erste MFA kam. Spirometer in der Kabine. 
O.k. Beim 6. Versuch meinte sie, das reicht mir erstmal.
Draußen warten.
Die zweite MFA kam um mich in ein Labor zu entführen und mir Blut ab zu nehmen.
Draußen warten.
Die dritte MFA kam um von mir ein EKG zu machen.
Draußen warten.
Die vierte( bzw. erste) kam um mir etwas Gas in die Lunge zu befördern.
Draußen warten.
Die fünfte kam um Blutdruck und Puls zu messen.
Draußen warten.
Die nächste MFA (wieder die erste) und auch wieder die Kabine. Nun habe ich einige male "einigeschnauferlt und ausigeschnauferlt"
Dann der entscheiden Satz: 
"Jetzt passt es mir. Die Kurven sehen gut aus"
??????????????
Draußen warten.

Im Grunde war ich zufrieden.
Alles lief toll nach Plan ab.
Jedesmal wurde ein neuer Zettel mit den Ergebnissen an meine Akte geheftet.

Dann der große Moment.
MEIN Doktor wollte mich sehen.
Jetzt geht es los, (dachte ich)
(Ich versuche möglichst wortgenau zu berichten)
" Fangen  wir mal. Sie haben nicht eine Krankheit sondern mehrere.
Sie haben Probleme mit dem Herz. Darum haben sie einen Stent bekommen. Da ihre Herzkranzgefäße nicht mehr die besten sind, haben sie ein Problem.
Da es aber nicht mein Metier ist, habe ich damit nichts zu tun.

Sie sagten mir, sie wären noch nie umgefallen oder Schwindelanfälle bekommen. Das ist mir zwar unverständlich, aber auch damit habe ich nichts mit zu tun.

Sie haben Silikose. Die ist schon älter, also steht heute nicht zur Debatte, denn sonst wären ihre Beschwerden schon viel länger.

Dann ihre zwei CT Aufnahmen. 
Die zwei wachsenden Rundherde. Das könnte Krebs sein, weiß man aber noch nicht. Darum haben sie mit ihrer jetzigen Atemnot auch nichts zu tun und steht auch heute nicht zur Debatte.

Das sie davor Angst haben ist verständlich. Da ihre Tochter an Lungenkrebs gestorben ist, haben sie ein Psychisches Problem aber dafür bin ich nicht zuständig.

Ergo: meine Diagnose, sie haben leichtes Asthma.
Hier bekommen sie ein Medikament und kommen in zwei Monaten wieder und sagen mir ob es was gebracht hat."

????????????????
Boing.
Was ist der Kerl gut.
Dieser Doktor hat mich nicht untersucht.
Röntgen kennt er nicht.
Abhören ist vielleicht Luxus.
Kein Kontakt.
Ich bin ihm nicht näher als 1,50 m gekommen.
(Auch keine Begrüßung)
Dieser Mann hat sofort durch seine Wunderaugen und ein paar Daten auf den Zetteln der Carbolmäuschen eine Diagnose getroffen, und mich therapiert.

Ich bin begeistert.
Dachte laufend an den Wunderdoktor Bruno Gröning in den Jahren 1950-58
DER heilte auch.

Na ja. Ich bekomme weiterhin schlecht Luft.
Habe weiterhin Schmerzen beim Atmen.
Fahre nun morgen an das Meer und glaube, das mir die Luft dort mehr bringt als Besuche bei Bayrischen Ärzten.

Kopfschüttelnd werde ich in  meinem  Auto sitzen aber  auch  begeistert sein, das mir so etwas in meinem Leben noch widerfahren ist.

In Bayern gehen nicht nur die Uhren anders, sondern auch die Ärzte ticken anders.