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Donnerstag, 13. Oktober 2016

Der Eschweiler Bergwerks Verein und ICH. (21)


Zu dieser damaligen Zeit war die Kohlegewinnung noch ein Abenteuer.
Querschläge waren vorhanden.
In denen lagen zwei Gleise für die Kohlenzüge.
Auf der 360 m/S waren es kleine Wagen, vielleicht einen halben cbm fassend (es wird zwar überall der Begriff Hunde verwandt, aber ich habe ihn in der Praxis nie gehört).
Oben war ein Bügel dran.
Auf meinen ersten Schichten war da ein Bergmann, Gottschalks, Fränz aus Schaufenberg.
Wenn ein Wagen entgleist war, und das kam laufend vor, steckte der den Arm da durch, holte tief Luft und hob  den Wagen wieder auf das Gleis.
Für mich selbst war er ein Wunder.
Denn ich benötigte 3 Steinknüppel, viel Kraft, viel Zeit und auch manchmal noch fremde Hilfe.

Die Querschläge auf der oberen Sohle waren kurz nach dem Füllort im Türstock ausgebaut.
Dem Gebirgsdruck folgend manchmal nur noch 2 meter hoch.
Damit die Lok überall durchkam, mussten auf dieser Sohle laufend in Nachtschicht "Senkkolonnen" die Gleise herausnehmen, das Liegende tiefer machen und die Gleise zur Frühschicht wieder einbauen.
Dann wurde das Gleisbett wieder aufgefüllt.
Als Ironie der Geschichte meist mit Kohle.
Waschberge gab es noch nicht, da es noch keine Kohlenwäsche übertage gab.
Das waren meist ältere Schichtlöhner die diese Arbeit machten.

Auf der 610 m/S war es schon komfortabler.
Grosse U-Eisensegmente und ein  viel grösserer Querschnitt.
Je weiter man vom Füllort sich entfernte, oder auch in den Strecken, wurde mit Mollrollen, U-Eisensegmenten und "Schuhen" ein Ausbau vorgenommen.
Links und rechts je eine Mollrolle. Das waren runde Holzrollen, ca. 40-45 cm dick und 2 meter lang.
Diese standen auf je 2 Holzstempel  von ca. 120 cm Länge.
Darauf kamen dann, im Abstand von 1 meter die Eisen, die wiederum oben im First von einer Mollrolle gehalten wurden.
Die Übergangsstellen wurden "Schuhe" genannt. Bei diesen hatte, glaube ich, der Betriebsführer Kiek Aktien drin. Dieses hat er dann mal in Münze umgewandelt. Sein Ende.

Das ganze Material wurde von Materialtransportkolonnen rangeschleppt.
Den Zusammenbau  erledigte die Ortsbelegschaft.
Mit 4-6 Mann kein leichtes unterfangen, da alle Teile gleichzeitig freihändig gehoben und zusammengelegt werden mussten.
In 4 meter Höhe auf einer freischwebenden, an Ketten hängenden, Holzbohlenbühne.
Danach wurden die freiliegenden Räume mit Steinknüppel verbaut.
Eine Knochenarbeit, aber gegenüber der Bohr- Schiess- und Ladearbeit eine der leichtesten.

Auch das hantieren in einem Gesenk oder Aufbruch, mit nassen Vierkantbalken  25x25 cm und einer Länge von 4,25 m  war unter den beengten Verhältnissen keine Spielerei.

Warum ich das so ausführlich erwähne?
Es gab keinerlei technische Hilfsmittel.
Keinen Kran.
Keine Winde.
Kein Hubzug
Nur reine Muskelkraft.
Und wenn einer sagte: "Halte fest" dann hielt er es fest.
Auch wenn er immer kleiner wurde.
Denn ein loslassen hätte schlimme Folgen gehabt.
Man musste und das ist das wichtigste untertage, sich immer auf sein Gegenüber verlassen können.
Man konnte es auch !!!!!!
Und genau darin liegt (oder lag?) m. E. auch die Kameradschaft unter Bergmännern von untertage begründet.

Man machte sich nichts vor.
Man kannte den anderen.
Jeder vertraute dem anderen.

In wieweit das auf übertage übertragbar ist, kann ich nicht beurteilen.

Und wenn heute, alte Bergmänner kaputte Knochen haben, sollte man nicht fragen, woher oder wovon.
Bergmannsarbeit  war zur damaligen  Zeit eine reine Knochenarbeit ohne techn. Hilfsmittel.