Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Sonntag, 16. Oktober 2016

Der Eschweiler Bergwerks Verein und ICH. (24)


Eine sehr wichtige, vertrauensvolle und auch anerkannte Gruppe waren die Mitglieder der Grubenwehr.

Ich möchte nicht das Wort "Elite" benutzen, da ich selber jahrelang dazu gehörte.

Und ich bin mit Sicherheit kein "Elitemann", das wäre vermessen von mir.

Aber es waren schon tolle Kerle.

(Oder nur etwas übermütig?)
Denn  die fuhren an, wenn andere fluchtartig ausfuhren.

Die Grubenwehr hatte immer mehrere Einsatz Gruppen.

Angeführt von einem Steiger. 
In der Gruppe war meist auch ein  Schlosser oder Elektriker. 
Also Fachleute.

Jeder Grubenwehrmann hatte ein Kreislauf-Atemgerät der Firma Dräger auf dem Rücken.

Dazu eine Nasenklammer und ein Mundstück.
Jeder Atemzug daran vorbei zu atmen, war der Tod.
Das Gerät selbst hatte eine Sauerstoffflasche und eine Alkalipatrone im inneren, durch den die ausgeatmete Atemluft gefiltert, gereinigt und wieder dem Atemkreislauf zugeführt wird.
Diese Alkalipatrone wurde während ihrer Benutzung sauheiss und damit auch die Atemluft.

Das Ding auf dem Rücken war nicht nur gross, sondern auch sehr schwer.

Um damit umgehen zu können, z.B. in mit Gas gefüllten Grubenbauten bei engen Stellen, das Gerät abnehmen, vor sich herschieben, und anschliessend wieder auf zu nehmen, OHNE den Schlauch aus dem Mund zu nehmen, das musste laufend trainiert werden.

Dazu war in Mariagrube die Hauptrettungsstelle der Grubenwehr.

Hier wurden die Geräte laufend überprüft, gewartet und auch in regelmässigen Abständen Fitnessübungen für die Männer abgehalten.
Zu diesem Zweck war ein Übungsraum vorhanden.
In diesem waren Gänge eingebaut, Fahrten (Leitern) Hindernisse, rauf und runter, Engstellen usw.
Zur Erschwernis wurde dieser Raum mit Nebel befüllt um einen Ernstfall nach zu stellen.

Nun muss man sagen, das dieses Atmungsgerät  mit einem Manometer ausgestattet ist.

Normalerweise reicht die Füllung einer Sauerstoffflasche 
ca. zwei knappe Stunden. 
Es wird eine Sicherheitsreserve eingeplant und der Rückweg muss auch berücksichtigt werden.
Truppführer  und 4 Mann bildeten eine Einheit.
Derjenige, bei dem das Manometer zuerst den kritischen Punkt für eine sichere Rückkehr anzeigt, bestimmte das Ende bzw. die Umkehr.

Nun war/ist es so, das ich zwar Luftprobleme habe, aber heute noch jeden Doktor mit meinem Lungenvolumen verblüffe.

Ich war und bin ein Sauerstofffresser.
Das war natürlich für alle anderen hoch interessant.
Jeder bemühte sich, mit mir auf Übung zu gehen.
Denn mein Manometer war zuerst am kritischen Punkt und ich gab das Zeichen für den Rückzug.
Jeder war froh wieder aus der Folterkammer zu entkommen.
Mit mir auf Übung bedeutete, mindestens  20 Minuten Ersparnis.

Ich weiss nicht mehr wie lange ich dort Mitglied war.

So an die 10 Jahre denke ich.

Die Mitglieder der Grubenwehr mussten auch immer, ausserhalb der Schichtzeit, erreichbar sein.

Nebenbei bemerkt, eine Zusatzbezahlung oder Prämie gab es dafür nicht.
Das einzige war, das die zusätzlichen Übungsstunden in Mariadorf, neben der eigentlichen Arbeit, extra bezahlt wurden.

Eigentlich sah man  das auch als eine Ehre an dazu zu gehören.


Die Benachrichtigung bei einem Ernstfall war anfangs ein Problem.

Da kam dann jemand mit dem Fahrrad nach Hause. 

Oder, da war früher z.B. auf der Bahnhofsstrasse, auf der Zechenseite, ein Kino.

Kann sich überhaupt noch jemand daran erinnern?
Dort sass ich einmal Sonntagabends mit meiner  Frau.
Plötzlich wurde der Film angehalten, ein Mann an der Seite rief quer durch den Saal: 
"Ist hier jemand von der Grubenwehr anwesend? Bitte sofort zur Zeche, Einsatz"
Da war ein Brand, auf einer Kopfstrecke auf Mariadorf.

Später bekam jeder eine grosse Kiste in den Flur gehängt, darüber wurde über Telefon, was ja keiner hatte, ein Signal im Bedarfsfall ausgelöst.

Das bedeutete schnellster Abmarsch.
(mit Fahrrad :-)))))))
Da danach eine rote Lampe an dem Kasten dauerhaft brannte, war auch gewährleistet das man auch bei Abwesenheit, beim nach Hause kommen wusste. 
Es ist Alarm.