Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 1. Oktober 2016

Der Eschweiler Bergwerks Verein und ICH. (9)



Das zweite Zimmer, neben dem Betriebsratszimmer, 
gehörte der Wohnungsverwaltung.
Hier wurden freie Wohnungen vergeben so denn welche vorhanden waren.
Wenn man welche frei bekam oder auch neu hergerichtet hatte.
Denn Alsdorf und Umgebung hatte durch den Krieg stark gelitten.
Später übernahm diese Aufgabe der Wohnungsvergabe der Wohnungsausschuss des Betriebsrates.
Der Wohnungsverwalter war aber auch für Reparaturen an den Wohnungen zuständig.
Peters war sein Name.
Wie immer, hier und auch heute, bestechlich.
Nur, im Gegensatz zu seinem Nachfolger, dem Herrn Illbertz, mehr auf weibliche Reize progammiert.
Damals hatten viele Wohnungen noch Kriegsschäden  aufzuweisen, und deren Beseitigung oblag der Zeche da sie ja auch der Eigentümer war.
Selbst konnte man nichts machen.
Denn Material gab es nicht und Baumärkte waren noch nicht erfunden.
In meiner späteren Wohnung in Neuweiler, brauchte ich über ein Jahr
 (Oder auch 2 Jahre?) um im Schlafzimmer den Granateinschlag in der Aussenwand reparieren zu lassen.
Solange hatten wir ein Betttuch über die gemauerten Steine gehängt.
Meine Frau verzichtete damals auf eine persönliche Vorsprache beim Wohnungsverwalter zwecks Antrag auf Reparatur.

Das 3. Zimmer, das Büro einer heiligen Gilde.
Der Auserwählten.
Der Markscheider.
Eine Gruppe von Menschen für sich.
Schon ihres Aufgabengebietes wegen.
Enorm wichtig.
Leider auch bei manchen nicht  beliebt, z.B. wenn sie auf Grund ihrer Kenntnisse wussten: "Kohle zu erwarten" und die Zeitzünder fürs Schiessen auf Momentzünder umstellten.
Es war wichtig, richtig und gut, nur..........
Das kostete uns viel Zeit und damit Geld.
Damalige Unsitte war, Zeitzünder frühzeitig zu horten und im Stoss zu lagern.
So eine Aktion hat mir dann später, dank eines einheimischen Kumpels der auf meine Position neidisch war, den schon erwähnten Kontakt mit den Militärgesetzen  eingebracht.
Ich bekam ein Jahr Schiessverbot, ein Jahr in einem Kohlerevier als Kohlenhauer verordnet, und ein Jahr 20% Lohnabzug.
Vor einem Gefängnisaufenthalt  bewahrte mich auch damals der Betriebsführer Gerhard Demmer.
Pikant daran war vielleicht, dieser Denunziant war der Bruder meines späteren Schwiegersohnes.
Da kam dann eben Freude auf.

Doch weiter
Dann kam ein Büro für irgendeine Führungskraft.
(habe vergessen wer da sass. Obersteiger?)
Dann das allgemeine Personalbüro.

Die Stirnseite des Ganges zierte das Büro des jeweiligen Betriebsführers.
Ich habe dort einige kommen und gehen sehen.
Gute, schlechte, Fachleute, Abgehobene und auch Spinner.
Nur einen echten Bergmann habe ich dort nur einen gesehen.
Ein einziger, der den Namen "Betriebsführer"je verdiente und dabei auch noch ein Mensch geblieben ist.
Das war Gerhard Demmer.
im übrigen, wir haben beide unsere ersten Wochen  zusammen als Schlepper in einem Kohlenstreb, bei einem Hauer, unser Brot verdient.
Vielleicht schweisst so etwas auch zusammen?
Alle anderen hatten alle nur ihre persönlichen Ziele im Auge und gehörten zu der abgehobenen Gilde der sich "Bergbeamte" nennenden, ohne je welche gewesen zu sein.
Und wieviel Anstrengungen hat man nicht unternommen und wieder und immer wieder hervorgehoben, 
"ich bin ein BergBEAMTER"
Ist leider nie was draus geworden.
Nur die vom Bergamt waren welche.
Scheisse wa?

Was ich da über Betriebsführer schreibe?
Na, der eine hat seine Idee der Ausbausegmente an eine fremde Firma verscheuert.
Der andere liess für sein neu erbautes Haus einen Güterwagen mit Marmor aus Carara (Italien) kommen. Einschliesslich der dazu gehörenden Arbeiter.
Der andere wiederum liess die Fenster seines Hauses aus dem Holz der Spurlatten in der Werkstatt anfertigen.
( das Peatschbeam (?) Holz war hart, teuer und selten)
Ob des anderen spätere Senioreneinrichtung in Herzogenrath die er nach seiner Entlassung aufmachte auch nur von seinem Gehalt finanziert und erworben wurde?
Das immer irgendwelche Bergmänner in deren Privathaushalten  und Gärten etwas zu tun hatten, war gang und gäbe.
Aber das alles sollte mich eigentlich nicht kümmern.
Wollte es nur mal erwähnen, weil es auch zu meinem Leben indirekt gehörte.

Gerhard war, auch als Betriebsführer, immer ein Bergmann geblieben.
Wenn ich mich recht erinnere, war er der jüngste Betriebsführer den der EBV je hatte.
DAS sagt doch schon genug.
Ich grüsse dich noch einmal Gerhard:
"Glück Auf."
Warum musstest du auch so früh einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen.

Links ging noch eine Treppe in die 1.Etage.
Top secret. Aufgang für gewöhnliche sterbliche verboten.
Da oben waren die Räume der "höheren Gehaltsklasse" und vor allem sass dort der Belgische Besatzungsoffizier.
ER war der eigentliche Betriebsleiter.
Eine graue Eminenz.
ER entschied letztendlich über alles und auch über die Anstellungen der Angestellten.
Zu der Zeit galt für die Grube das Alliierte Kontrollratsgesetz und alles was dort geschah unterstand der Militärgerichtsbarkeit.
Das habe ich in späteren Jahren wie oben erwähnt, einmal am eigenen Leib erfahren.
Dieser Offizier hielt sich aber wohltuend zurück und wurde öffentlich kaum bemerkt.
Es war ja auch kein eingebildeter Deutscher.

Dann kam die Lichthalle.
Rechts die Schalterfenster der Aufsichtspersonen.
Geradeaus ein Raum mit Tischen und Bänken.
Daneben war auch später eine Theke untergebracht, die, nach Gründung des "Westkaufs", zu einer Kantine umgewandelt wurde.
Bitte, Kantine in dem Sinne zu sehen, das man dort Milch oder "Schmalzler" kaufen konnte.
Schmalzler war Schnupftabak.
Ein sehr beliebtes Ersatzmittel gegen Nikotinentzug.
Es gab dort kein warmes Essen.

Links davon war dann die Magazinausgabe.
Hier wurden alle benötigten Materialien die man verbont bekam, ausgehändigt.
Pickhämmer und dergleichen gab es in den jeweiligen Werkstätten im Aussengelände.

Und diesem Magazin gegenüber wiederum das Lohnbüro mit seinen Ausgabeschlitzen.
Denn früher hatte niemand ein Konto und das Geld wurde alle 10 Tage in bar ausbezahlt.

Doch davon später mehr.