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Montag, 3. Oktober 2016

Der Eschweiler Bergwerks Verein und ICH. (11)


Doch wollen wir uns mal etwas weiter im Zechengebäude umsehen.

In der Lichthalle ging es rechts ab zur Kaue und zum Aussengelände.
Zuerst einmal in die Kaue rein.
Nicht vergleichbar mit den heutigen Vorstellungen eines Raumes zum Kleider wechseln.
Es war eine grosse Halle. Relativ dunkel. Auch die Wände.
Geweisst bestimmt das letzte mal vor dem  Krieg.
Aber das lag eben in der Natur der Sache.
Wo Staub und Dreck vorherrscht, kann man nichts anderes erwarten.
Schwarzer Asphaltboden, Holzbänke mit Haken und Ketten.
An diesen Ketten hing ein halb verrosteter Eisenteller mit Haken.
Dort hing man seine Klamotten auf. 
Die Schuhe unten drunter.
Dann zog man an der Kette mit seiner Markennummer alles in die Höhe.
Und oh Wunder, alle sauberen Kleidungsstücke waren, wenn sie oben waren, völlig dreckig.
Der Abstand zwischen den Haken war so bemessen, das zwangsläufig Grubenkleidung und Strassenkleidung in einem innigen, aneinander vorbei rutschen, den Dreck austauschen konnten bzw. mussten.
Dazu kam der Gestank der Fusslappen die dort müffelten, denn viele Betriebspunkte waren, vor allem in der Aus- und Vorrichtung durch den Wassereinsatz so nass, das man in Gummistiefeln arbeitete.
Strümpfe besass man kaum, also wurden alle Stoffreste der man in der Familie habhaft werden konnte, als Fusslappen eingesetzt.

War man  nun ein vierdrittelschichtler, also fuhr zwischen den normalen 8 Stunden Seilfahrten aus und ein, konnte es oft passieren, das die Kauenwärter, die auf einer Empore thronten, ihrer aufgetragenen Arbeit nachgingen.
Das hiess, ein Feuerwehrschlauch wurde unter Druck gesetzt, und die Kaue ausgespritzt.
Pech wenn man gerade unter der Dusche stand und die Schuhe oder sonstiges nicht hoch oben am Haken hing und vielleicht an der Bank oder auf der Erde stand.
Soooo kleinlich sollte man doch nicht sein.

An der rechten (links auch ? Habe ich vergessen, denn man behielt sein Leben lang seinen Haken mit seiner Nummer. Meiner war auf der rechten Kauenseite) Wandseite von diesen Bänken war der Raum mit den Duschköpfen.
Ich schätze mal so an die 100 Stück.
Dort stand dann der schwarze Kumpel nach seiner Schicht und wusch sich.
Anfangs gab es noch Stoffbeutel in denen Seifenreste oder irgend etwas anderes waren.
In späteren Jahren bekam man ein Stück "Glück Auf" Seife.
Diese Seife war unauffällig, aber sehr gut. Mit 80% Fettanteil.
So viel hatte ich ja noch nicht einmal auf meinen Butterbroten.

Und immer wieder ertönte der Ruf: "Puckeln?"
Man konnte sich ja nicht selbst den Rücken waschen.
Also musste es immer jemand anderes machen.
Jeder war davon betroffen!
So bildeten sich manchmal kleine Schlangen.
Pech war es, wenn man länger gearbeitet hatte, oder des Nachts, da war man allein.
Also warten bis  irgendjemand auch ausfuhr.

Anfangs sassen immer welche, auch ich, auf den Bänken und "kniepten" sich die Nissen aus den Nähten der Strassenkleidung.
Nissen?
Das sind  Läuseeier.
Denn alles war verlaust.
Das DDT kam erst viel später zum Einsatz.
Durch die Mengen die man dann damals verbrauchte, hat man bestimmt die Läusepopulation in Deutschland auf Jahrhunderte unterbunden.

Ach ja, die Kaue.
Da kam man in späteren Jahren auf eine Idee.
Man wollte doch sozial, vorbildlich sein.
(Oder ein guter Vertreter hat gut geschmiert.)
Es wurde ein langer Gang neben der Kaue als Höhensonnebestrahlungsraum hergerichtet.
Ein langes Gummiband zum setzen oder stehen lief langsam an Höhensonnen vorbei.
Links und rechts waren ca. 30 oder mehr Hochleistungsgeräte installiert.
Toll!!!
DAS war was.
Jeder stellte sich nach dem baden da drauf.
Viele übertrieben es.
Eine Anleitung oder Kontrolle gab es ja nicht.
Bis man dann darauf kam, das man statt Gesundheit, Krankheit oder sogar Tod verabreichte.
Die Dosierung macht es eben.Wie alles im Leben.
Und ausserdem wären  diese Dinger heute bestimmt nur noch  in einem Cyberkrieg als Waffe einsetzbar.
Die Anlage wurde bald stillgelegt.
Nach und nach verschwanden die Höhensonnen dann auf unerklärliche Art und Weise.
Jede fand ihren privaten Neubesitzer.
Aber wenigstens die Idee und der Ansatz war lobenswert.

Noch etwas.
Man musste untertage ja auch trinken.
Dafür war auch gesorgt.
Man brachte sich irgend eine Pulle mit (nicht aus Glas) und befüllte sie mit Leitungswasser aus dem Hahn.
Die musste dann für die untertage Zeit reichen. 
Da unten gab es ja nichts.
Mal probiert?
16 Stunden arbeiten das der Schweiß in Bächen runter läuft und dabei nur 1/2 Liter Wasser zum trinken für die ganze Zeit haben?

Als die soziale Ader des EBV wieder einmal zuschlug, wurde ein Heisswasserkessel installiert.
Dort konnte man dann seine Flasche füllen. 
Diesmal mit heissem !! Wasser.
Vorher etwas mitgebrachten Tee oder Kaffeepulver in die Flasche,  dann hatte man wenigstens nach dem "buttern" untertage was zu tun um die Reste zwischen den Zähnen in den nächsten Stunden raus zu pulen.
Buttern?
Ein Butterbrot essen.
Auf Neudeutsch, Vespern.

Morgen werde ich mal die Kaue verlassen um mich  draussen etwas um zu sehen.
Auch toll, was da so war.