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Donnerstag, 6. Oktober 2016

Der Eschweiler Bergwerks Verein und ICH. (14)


In der Lichthalle sassen nun die Steiger, Vorgesetzten oder Angestellten (egal,wie man sie bezeichnen möchte) hinter der Glaswand mit den kleinen Öffnungen zum Bergmann.
Psychologisch ganz toll gemacht.

Dieser gab dann einem ein Zeichen.
Dann musste man sich mit dem Mund an das Loch beugen und seine Wünsche oder Bitten vorbringen.
Der Steiger drinnen sass nicht immer an seinem Platz, sondern auch schon mal mit seinen Kollegen am grossen Tisch in der Mitte des Raumes.
Denn es gab ja auch für ihn internes zu besprechen.
Es war dann erhebendes Gefühl, wenn er es dann mal endlich für notwendig erachtete sich dem Bittsteller zuzuwenden um dessen Begehr zu erfahren.
Nämlich einen Bon für irgend ein Gezähstück oder Sprengstoff zu erhalten.

Anweisungen konnte und brauchte er nicht zu erteilen.
Jeder Bergmann war und ist  autark in seinen Entscheidungen die seine Arbeit betreffen.
Es ist sein eigener Lohn und seine Sicherheit.
Er ist für sich selbst verantwortlich.
Da tauchte damals und auch heute noch bei mir persönlich die Frage auf:
Wozu ist der Steiger überhaupt da?
Bei den Elektro- und Maschinensteigern denke ich mir schon eine Berechtigung aus, vor allem Fachwissen, aber bei den Grubensteigern?
Sie werden jahrelang gedrillt und geistig umerzogen.
Sie bekommen mit Sicherheit eine Menge Theorie verplempert.
Sie lernen eine Unmenge Dinge.
Sie werden gedrillt und mit Wissen vollgestopft.
Nur für was?
Ein Meister täte es auch als Aufsichtsperson.
Aber DAS ist nun mal meine ganz persönliche Meinung.!!!!!

Denn:
Untertage kennt jeder Bergmann seine Aufgaben und Pflichten allein:
Kohle machen, den Ausbau einbringen, Aufbrüche,  Aufhauen, Senkschächte, Querschläge oder Strecken auf zu fahren.
Er weiss allein was zu tun ist. Er muss es wissen.
Bohren, schiessen, laden, ausbauen.
Oder im Streb Kohle hauen und vor allem eine grosse Panneschipp benutzen.
Einfach:
Möglichst viel leisten.
Denn dann gibt es Geld.
Aufpassen das er selbst nicht draufgeht.
Alles richtig machen, denn dann klappt es.
Der Steiger hat nun dabei welche Aufgabe?

Im übrigen war es in der Aus- und Vorrichtung so, das ich meinen Steiger immer nur jede Schicht (vielleicht) einmal für 5 Minuten auf seiner Wanderschaft sah, und er dabei auch noch masslos störte.
Er brauchte, konnte und wollte eigentlich auch garnicht rein reden.
In dieser Hinsicht hatte ich immer Steiger die das beherzigten.
Und wenn man selbst mal, in der Nachtschicht vielleicht, nicht so gut drauf war und es schleifen liess, verdiente man eben weniger.
Es war immer des Kumpels alleiniger Schaden.
Das man aber immer auf Höchsttouren lief, dafür sorgten schon die übrigen Drittel.
Denn alle Drittel arbeiteten zusammen auf einem Gedinge und der verdiente Lohn wurde am Monatsende durch alle 
25 Mann geteilt.

Die Hauptaufgaben eines untertage Steigers bestanden damals darin, das Schichtenbuch zu führen und beim Fahrsteiger bzw. Obersteiger nicht unangenehm  auf zu fallen.
Das Schichtenbuch war eine grosse Kladde in der alle Namen der im jeweiligen  Revier angelegten Bergmänner geführt wurden.
Dort mussten dann waagerechte oder anderslaufende Striche gemacht werden. 
Je nachdem welche Schicht der Betroffene gefahren war.
Auch "E" entschuldigt und "U" unentschuldigt wurde dort eingetragen.
Dieses Schichtenbuch war dann die Grundlage zur Lohnabrechnung.
Also für alle sehr wichtig.
Dreimal "U" bedeutete fristlose Kündigung.
Diesen Luxus mit Kündigungsschutz, Betriebsrat, Einspruch oder  Ermahnung, gab es nicht.

Ich bin aber auch heute noch gern bereit mich eines besseren belehren zu lassen in wieweit ein Steiger, auf Grund seiner theoretischen Ausbildung in der Bergschule zu Aachen,  z.B. das Drittel beim bohren, schiessen und beim laden der Runde irgendwie hätte beaufsichtigen oder Aufgaben bzw. Anweisungen  zu erteilen hätte.

Die einzige war nur, schnell wieder zu verschwinden.
Und das taten die klugen Steiger auch meistens.

Doch zurück zur Lichthalle.
An einem Schalter sass u. a. auch der Obersteiger Steefens.
Genannt: "Dat Jift"
Hier durfte man sich bei ihm anstellen und Bitte, Bitte machen wenn man aus irgendwelchen Gründen einen Bon für den "Vorzug " haben wollte.
Da die Seilfahrt bis zu 20 Minuten dauern konnte, manche aber Anschluss an die Strassenbahn brauchten um nach Hause zu kommen, gab es einen "Vorzug"
Also, nach Beendigung der Förderung, etwa 5 Minuten vor der regulären Seilfahrt, fuhren die Nachzügler !!! der Steigergruppe (alle übrigen waren schon viel früher ausgefahren) und die Leute mit einem Bon vom "Gift" aus.

Diese Bons wurden von diesem Herrn nach Gutdünken, Laune und persönlichem Verhältnis zum Bittsteller verteilt.
Die Begründung für einen solchen Bon, war diesem Herrn völlig gleich.
Er verteilte eben nach Gutsherrenart.
Die Hauptsache war, man konnte gut "bitten" und er gewähren.

Im übrigen, ich kann in meinen 15 untertage Jahren, die von ihm bekommenen Bons, zum früheren ausfahren, an einer Hand abzählen.

Ich gehörte eben  nicht zu seinen Günstlingen und war ja dazu auch noch ein "Imi"!