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Montag, 17. Oktober 2016

Der Eschweiler Bergwerks Verein und ICH. (25)


In meiner Zeit als Mitglied der Grubenwehr kann ich von Glück sagen, das es nur zwei kritische Alarme und Einsätze gegeben hat.

Trotzdem hatten sie mich damals und auch  heute noch zum Nachdenken angeregt.

Wenn  Menschenleben in Gefahr sind , bedeutet es überhaupt keine Frage da gibt es kein Nachdenken.
Dafür ist man da.

Nur, wie gesagt, ich hatte zwei Einsätze.
Beide mal war es Feuer untertage.
Das heisst, das schlimmste was man sich als Bergmann untertage überhaupt denken kann.
Explosionsgefahr für das gesamte Grubengebäude.

Man muss sich es so vorstellen, das es ja nicht wie bei einem Haus so öffentlich brennt, denn dieses Feuer sieht man nicht.
Es ist im Stoss.
Irgendwo im Flöz.
Es raucht, es gast aus, es kann überall durchkommen.
Beide male wurde auch nicht im üblichen Sinne gelöscht.
Womit auch?
Was auch?
Man hofft, das es irgendwo selbst zu Ende geht.
Das wichtigste dabei sind die Wetterleute.
Diese leiten den Frischwetterstrom um.
Und wir liessen von oben Wasser in den Stoss laufen.
So war es jedenfalls bei mir damals.
Und alles ist glimpflich verlaufen.

Das eine  mal, auf einer Kopfstrecke, mussten wir kleinere Motore und Bandgummi bergen.
Das andere mal bestand unsere Aufgabe nur in der Beobachtung wie und wohin  sich alles entwickelt.

Beide male habe ich mir überlegt, waren diese paar Motore eigentlich den Einsatz von Menschenleben, unseren, Wert?
Ich habe darauf nie eine Antwort für mich gefunden.

Übertage wird im Ernstfall ein Einsatzstab gebildet.
Betriebsführer, Obersteiger, Fahrsteiger, Gerätewart.
Die ausfahrenden Grubenwehrmänner werden hier betreut.

Untertage war ein Einsatzleiter.
Fahrsteiger, Gerätewart, 3 Trupp zu je 5 Mann.
Ein Trupp ist im Einsatz.
Der zweite Trupp sitzt in voller Ausrüstung bereit, um im Notfall sofort den draussen befindlichen Kameraden zu Hilfe eilen zu können.
Der dritte Trupp hat Ruhe.
Der Gerätewart macht deren Geräte während dieser Zeit wieder einsatzbereit.
Die Zeit des Austauschens bestimmen die zurückkommenden Grubenwehrmänner auf Grund der Anzeige ihres Manometers.

Und so geht es immer rum.
Wenn genügend neue Leute übertage sind, wird dort ein neuer Trupp gebildet der die untertage befindlichen ablöst.

Um welche Einsätze es sich handelt, kann ich heute leider nicht mehr sagen.
Aber es ist leicht zu erfahren.

Es waren diejenigen, bei denen der Fahrsteiger Mommertz und der Maschinen-Fahrsteiger Spiertz, etwa ein halbes Jahr später in einer Feierstunde geehrt wurden und das Goldene (?) Grubenwehrehrenzeichen für ihren tollen Einsatz bekamen.
Sie waren die einzigen zwei die geehrt wurden.

Im übrigen, auch eine Einladung zu dieser Feierstunde hat niemand von den Grubenwehrleuten bekommen.
Diese hatten eben nur ihre Pflicht getan.

Habe ich vielleicht vergessen zu erwähnen.
Beide Herren hatten während des ganzen Einsatzes nie den Weg nach unten gefunden.
Na, es muss ja auch übertage Verantwortung getragen werden.

Auch so etwas, worüber ich lange nachgedacht habe.

Trotzdem.
Es war mir eine Ehre selbst dazu gehört zu haben.
Heute noch.