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Freitag, 7. Oktober 2016

Der Eschweiler Bergwerks Verein und ICH. (15)


Einen wesentlichen und wichtigen Teil der Lichthalle nahmen links die Schalter des Lohnbüros ein.

Es wurde, gegen eine Pappkarte, jeweils am 5. und 
am 15. jeden Monats ein Abschlag gezahlt.
Dieser setzte sich, willkürlich, in Anlehnung an die eingetragenen und verfahrenen Schichten im Schichtenbuch zusammen.

Am 25. bekam dann jeder einen schmalen, langen Papierstreifen mit seiner Lohnabrechnung.
Darauf war dann die eventuelle Restsumme aus dem Vormonat !!!! und ein neuer Abschlag.
Ich denke mal, das eine Nachprüfung dieses Lohnstreifens von allen zwar immer wieder versucht wurde, aber generell zum scheitern verurteilt war.
Denn dieser Streifen von höchstens 1,5 cm Breite und ca. 60 cm Länge beinhaltete ja die gesamte Umrechnung der unter vielen verschiedenen Meterpreisen erarbeiteten Leistung, die Abzüge, die Pfändungen, Steuer, Versicherung, Zuschläge, Prämien und wer weiss was noch.
Ich glaube aber auch, das niemand in den verantwortlichen Stellen an einer übersichtlichen Abrechnung jemals ernsthaft interessiert war.
Mit den Pfennigbeträgen wurde dabei sehr locker  umgegangen.
Kleinvieh macht bei 3000 Mitarbeitern aber auch Mist.
So war es auch kein Wunder, das eines Tages der Leiter des Lohnbüros (Knipprath) seinen Hut nehmen musste.
Ich weiss leider nicht, ob er jemals die unterschlagenen Summen je zurück gezahlt hat.

Es war aber auch ein Trick des EBV diese Art der Lohnabrechnung.
Denn man bekam etwa die Hälfte seines Geldes welches man z.B. am 1. Mai verdient hatte, ja erst am 25. Juni ausbezahlt.
Erstens war das damals ein zusätzliches Zinsgeschäft des EBV und zweitens bremste man damit die starke Fluktuation aus.
Immer, wenn du  zum Monatsende abhauen wolltest, hattest du zwar den Vormonat abgerechnet bekommen, aber der laufende Monat stand zur grossen Hälfte noch aus.
Nachsenden an eine neue Adresse?
Wohin denn? Wie denn?
Ging nicht. Man hatte ja kein Konto.
Also verzichten?
Das hiess man hätte einen halben  Monat für umsonst gearbeitet.
War also auch ein Bombenzusatzgeschäft des EBV.
In diesen Dingen war  er immer gross.
Aber nur in der Gewinnmaximierung.
Doch davon später einmal mehr.

Doch das Thema Geld ist noch  sehr vielschichtiger.
Da man zum Empfang des Geldes nach Schichtende immer sehr lange anstehen musste, es konnte auch schon mal was über eine Stunde dauern, gingen viele dazu über, ihren Frauen die Geldabholerei zu übertragen.
Diese konnten dann schon während des Vormittags kommen.
Dieses wiederum passte auch zu den Lebensgewohnheiten der damaligen dortigen Bevölkerung.
Die Frau hat das Geld und bezahlt alles, und der Mann bekam sein Taschengeld.
Für mich damals und auch heute noch, eine unmögliche Situation.
Ich verdiene das Geld.
Ich bestimme, oder wir gemeinsam, bestimmen über dessen Verwendung.
Sie bekommt ein angemessenes Wirtschaftsgeld deren Verwendung in ihren alleinigen Händen liegt.
Ich lege über meine Ausgaben keine Rechenschaft ab und bettele auch nicht um mir mal ein Bier zu kaufen.
Sie auch nicht.
Basta.
Diesen Standpunkt machte ich meiner Frau schon vor unserer  Ehe unmissverständlich klar und habe ihn auch 
61 Jahre lang beibehalten.
Das hat meine Frau zwar begriffen aber sie und ihre Familie ihr ganzes Leben nicht akzeptiert.
Förderte unheimlich die Anpassung.
Sie kannten es eben nicht anders.
Ich sah das eben so und darum war familiärer Ärger vorprogrammiert.

Es kam die Zeit der Überstunden.
Keiner wollte so richtig ran.
Wozu auch?
Da hatte dann jemand eine blendende  Idee in der 
EBV Verwaltung.
Wenn ihr des Nachts nach Überstunden ausfahrt, bekommt ihr am Schalter vom Steiger 10,00 Mark bar auf die Kralle. ausbezahlt. (Vorschuss)
Wowh, das war was.
Et flutschte.
Bis dann die Frauen dahinter kamen, "dat der Alte Schmuh" machte.
Fortan sah man des Nachts, zu jeder Uhrzeit, in der Lichthalle Frauen die ihre Männer abholten aber vorher die 10,00 Mark erst beim Steiger kassierten.

Ich hatte dieses Problem nicht.